Polen

Ein steinernes Denkmal auf einem Steinweg

Was sagt die Künstlerin zu ihrer Skulptur?

"Die Vielfalt der Wege mündet in Einheit, Ordnung und Kraft".
Schon der Titel macht klar: Hier geht es nicht um den einzelnen Menschen, sondern um die Menschheit als Ganzes. Betrachtet man das Werk im Zusammenhang mit „Krechy Ziemi", den „Linien", „Strichen" oder „Spuren der Erde", wird eine zentrale Aussage sichtbar: Wir alle gehören zur selben Erde. Grenzen, Nationen, Konflikte, all das sind von Menschen gemachte Ordnungen. Die Erde selbst kennt solche Trennungen nicht, sie ist unser gemeinsamer Lebensraum.

Gerade für einen Friedensweg gewinnt dieses Werk dadurch eine besondere Tiefe: Frieden lässt sich nicht als Sache einzelner Völker denken, sondern nur als Aufgabe der gesamten Menschheit. Die Skulptur verbindet Mensch und Erde und erinnert zugleich daran, dass jedes menschliche Handeln Spuren hinterlässt. Die eigentliche Frage lautet also: Welche Spuren wollen wir hinterlassen? Spuren der Zerstörung oder Spuren des Friedens?

Ein besonders spannender Aspekt liegt in der Geschichte des ursprünglichen Zyklus. Die Werkgruppe „Krechy Ziemi. Land Raster" wurde 1999 in Orońsko gezeigt und war ausdrücklich dem „Pancerny" von Józef Brandt gewidmet. Denkt man diese Widmung mit, entsteht ein interessanter Kontrast: Der gepanzerte Krieger steht für eine Menschheitsgeschichte, die von Kampf und Krieg geprägt ist. Die Skulptur Menschheit auf einem Friedensweg lässt sich dagegen als Gegenentwurf lesen, als leise Hoffnung, dass der Mensch seine Geschichte nicht zwangsläufig durch Gewalt weiterschreiben muss.

Wer ist Barbara Zambrzycka-Sliwa?

Geboren: 1950 in Polen

Ausbildung:

  • Staatliches Lyzeum für plastische Künste, Gdynia-Orłowo (Abschluss 1969)
  • Staatliche Hochschule für bildende Künste (PWSSP), Danzig, bei Prof. Alfred Wiśniewski
  • Akademie der Bildenden Künste Krakau, Bildhauerei bei Prof. Marian Konieczny (Diplom 1974); zusätzlich Malerei bei Prof. Jonasz Stern und Zeichnen bei Prof. Stanisław Heger/Adam Hoffman
  • Später Lehrtätigkeit am Institut für Kunst der Pädagogischen Akademie Krakau

Künstlerischer Fokus:
Zambrzycka-Śliwa arbeitet in Kammer- und Freiluftskulptur, Zeichnung und Installation. Charakteristisch ist ihr behutsamer, respektvoller Umgang mit der Natur: Viele Skulpturen entstehen aus Abfallmaterial von Steinmetzbetrieben oder aus vom Sturm gefällten Baumstämmen und -ästen, denen sie ein "zweites Leben" gibt. Ihre Werke reflektieren die Spuren menschlichen Handelns angesichts einer übermächtigen Natur sowie Fragen von Bedrohung durch die expansive, konsumorientierte Zivilisation. Wichtige Werkzyklen: "Homo Petra" (ab 1976), "Stawanie się" ("Werden", ab 1983), "Labirynt świata – raj serca" ("Labyrinth der Welt – Paradies des Herzens", ab 1985) und "Land Raster" (10 Jahre Arbeit, vollendet 1999).

Werdegang & Ausstellungen:

  • Dutzende Ausstellungen im In- und Ausland, mehr als 20 Einzelausstellungen
  • Werke u. a. im British Museum, im Nationalmuseum Krakau, im Zentrum für polnische Bildhauerei in Orońsko, im Skulpturenmuseum Tallinn sowie in der Königlichen Galerie Madrid
  • Häufige künstlerische Präsenz im Zentrum für zeitgenössische Skulptur Orońsko

Bezug zu St. Ulrich bei Steyr:
Schuf für den Friedensweg "Die Menschheit" aus dem Zyklus "Land-Raster" – die Vielfalt der Wege mündet in Einheit, Ordnung und Kraft.

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